Ich antworte heute auf die Dienstags-Frage aus dem Hochglanz Handmade Blog. Die aktuelle Frage lautet: Wann und wieso hast Du das erste Mal Deine eigenen Sachen der Öffentlichkeit präsentiert?

Naja – so ganz einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Jedenfalls nicht, ohne ziemlich weit auszuholen. Vielleicht gehe ich damit zunächst auch ordentlich am Thema vorbei. Aber es gehört ALLES dazu und vielleicht macht genau das die Geschichte von Uniqz aus?

Achtung – Roman!

Meine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann (ja „-mann“, so steht das noch in meinem Kaufmannsgehilfenbrief 🙂 ) begann ich in der Kölner Mode- und Textilgroßhandlung, die es heute leider nicht mehr gibt.

Das erste Ausbildungsjahr (oder damals noch Lehrjahr) absolvierte ich in der Strickwarenabteilung – das gefiel mir von der Ware her sehr gut: T-Shirts, Tops, Pullover, Strickjacken, Strickkleider und -röcke… all das schon ein ganzes Jahr im Voraus zu sehen, zu streicheln und nicht zuletzt zu kaufen war schon toll und machte Spaß.

Es kam aber, wie es kommen musste, neues Lehrjahr, neue Abteilung. Wir Mädels wollten natürlich

am liebsten alle in die DOB (Damenoberbekleidung) und ganz bestimmt nicht in die Abteilungen Kurzwaren oder Stoffe – wie langweilig!

Ja – was soll ich sagen? Ich „musste“ zu den Stoffen und war alles andere als begeistert. Ich vergesse nie den ersten Tag, als ich in die ungeliebte neue Abteilung mit der schrecklichen Ware musste. Ich glaube, ich war ziemlich ungenießbar. (Das wurde vor Ort entweder nicht bemerkt oder schlicht ignoriert.)

Aber dann kam alles ganz anders. Zum einen waren die Kolleginnen und Kollegen dort super nett, das macht die Sache natürlich sehr erträglich.

Dann kam die Zeit der Kollektionsvorlagen und „wir“ bekamen ständig Besuch von Vertretern mit riesigen Mappen voller Farbkarten und sogenannten Griffproben. Da ich als Neuling viel kennen lernen sollte, war ich häufig bei den Vorlagen dabei und konnte mich diesem Farbenzauber überhaupt nicht entziehen. Schleichend und hinterhältig sprang der Funke über… meine Güte…. diese Stoffe, Farben, Materialien… das war T.O.L.L.! Ich war völlig begeistert von dieser bis dahin nicht gekannten Vielfalt.
So kam es, dass ich mich 18- oder 19-jährig freiwillig zu meinem ersten Nähkurs anmeldete, um diese Schätze selbst verarbeiten und in tolle Dinge verwandeln zu können.

Oh Mann – was für ein Nähkus! Wir mussten eine Schürze (!!!!) nähen. Naja – ich überstand das, schenkte die Schürze meiner Oma, lernte aber die Techniken, auf die es ankam. Einen weiteren Nähkurs tat ich mir nicht an – das waren alles „alte Tanten“ mit denen hatte ich nichts gemeinsam. Das war ziemlich uncool… ebenso wie deren Gespräche mit denen ich einfach nix anfangen konnte.

„Den Rest“ brachte ich mir dann irgendwie im Laufe der Jahre selbst bei – learning by doing. Ich hatte Feuer gefangen und nähte, was nähbar war. Dann gab es auch einmal eine Pause, in der ich nicht so viel Lust hatte, die Maschine jedes Mal aus dem Schrank zu kramen und das noch unfertige Genähte immer wieder wegräumen zu müssen.

Irgendwann kam dann das Internet und ich entdeckte Seiten wie Farbenmix oder die Hobbyschneiderin, wo es tolle Anleitungen und vor allem auch Anregungen gab. Das machte wieder Lust aufs Nähen und ich begann mir eine Ecke einzurichten, wo Nähmaschine und -zubehör auch mal stehen bleiben durften.

Nach etlichen Jahren Näherfahrung und vielen Komplimenten aus dem Bekannten- und Freundeskreis (und weniger netten Chefs in einer Zeit, in der ich – zwischenzeitlich Mutter von zwei tollen Kids – ein paar Jobs neben der Familie hatte) keimte der Wunsch nach etwas Eigenem.

Obwohl eigentlich mein gesamtes Umfeld skeptisch war, bastelte ich wie besessen an einem Konzept für ein kleines Online-Lädchen. Dieses ging  am 1. April 2007 erstmals in die große weite Internetwelt. DaWanda kam fast zeitgleich auch dazu.

Ich startete mit einer Auswahl unterschiedlicher Kosmetik- und Kulturtaschen. Meine Shopseite war aufgrund der ganz klaren Zielgruppe sehr feminin und sehr rosalastig. Recht schnell konnte ich einige meiner Einzelstücke verkaufen, merkte aber bald, dass diese Artikel eine sehr kleine Zielgruppe hatten und leider auch nicht dauernd nachgekauft wurden.

So kamen nach und nach neue Artikel dazu und es entwickelte sich mit der Zeit ein völlig neues Sortiment. Heute gibt es sehr unterschiedliche Schwerpunkte – zum einen sind  meine Babyartikel – Decken und Kissen mit Namen und liebevoll angefertigten Motiven und Applikationen – sehr beliebt, zum anderen gibt es eine ganze Reihe Hundefreunde, die meine Hundedecken und die gestickten Hunde-Rasseportraits zu schätzen wissen und darüber hinaus hat sich aus Kundenanfragen immer mal eine neue Sparte fast von selbst entwickelt, sodass ich heute  z.T. sehr unterschiedliche Geschenkartikel für alle möglichen Anlässe anbiete.

Letztendlich bin ich glücklich, in meiner Ausbildung die zunächst ungeliebten Stoffe schätzen gelernt zu haben. Ohne diese ungewollte Fügung wäre ich um ein wunderbares Hobby und eine mich ausfüllende Berufung ärmer.

Zwischenzeitlich hat sich Uniqz mehrmals gewandelt und vor kurzem dann auch „endlich“ vom rosaroten Mädchenoutfit getrennt. Uniqz ist ein wenig erwachsener und neutraler geworden. Geblieben ist die Liebe zu den Stoffen und Farben, das Nähen und nicht zuletzt das wunderschöne Gefühl etwas selbst auf die Beine gestellt zu haben.

Chapeau, wer bis hierher ausgehalten hat und ganz lieben Dank fürs „zulesen“ 😉

Weitere Dienstags-Frage-Geschichten findet sind rechts in der Seitenleiste unter Dienstags-Frage zu entdecken. Es lohnt sich 😉

Jede noch so weite Reise beginnt mit dem ersten Schritt…
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8 Gedanken zu „Jede noch so weite Reise beginnt mit dem ersten Schritt…

  • 23. Oktober 2013 um 8:29
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    Hallo liebe Petra !

    Du kannst nicht „nur“ nähen sondern auch gut schreiben. Habe mit einem Schmunzeln Deinen “ Roman “ gelesen und für gut befunden. Alle Achtung was Du auf die Beine gestellt hast <3 . Mach weiter so!!!!!

    Lieben Gruß, Eva

    Antworten
    • 23. Oktober 2013 um 9:43
      Permalink

      Hallo Eva,

      ganz lieben Dank für das schöne Feedback.
      Das motiviert ja glatt zu neuen Schandtaten 😉

      LG
      Petra

      Antworten
  • 22. Oktober 2013 um 20:44
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    Wow! Manches kommt mir ein bisschen bekannt vor und ich bemerke, dass ich gerade mal irgendwo im oberen Drittel deines „Romans“ stecke! Danke – das hilft erstmal, ein bisschen zu reflektieren und motiviert ganz doll! LG von Jenny

    Antworten
    • 22. Oktober 2013 um 20:56
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      Hallo Jenny,
      nur nicht unterkriegen lassen. Es ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich!!!
      LG
      Petra

      Antworten
  • 22. Oktober 2013 um 13:32
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    Wow! Was eine Wahnsinns – Geschichte- bis zum Schluß! ;)) Ist so eine Entwicklung nicht toll? Hört sich wie ein Handmade Lebenslauf an… Klasse!

    GLG pepe

    Antworten
    • 22. Oktober 2013 um 13:41
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      Hallo Pepe,
      Danke ;-).
      Ja, ich bin auch sehr glücklich über diese Entwicklung. Das bin einfach ICH, vom Meckern und Feuer-und-Flamme-sein über das Durchbeißen bis hin zum immer-wieder-neu-erfinden und Weitermachen.
      LG
      Petra

      Antworten
  • 22. Oktober 2013 um 13:11
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    Liebe Petra,

    was für eine tolle Geschichte! Man sieht, das steckt viel Herzblut drin und Du hast Dich trotz einiger Steine auf dem Weg nicht unterkriegen lassen. Finde ich klasse! Überhaupt gefällt mir Deine Seite, Dein Blog und natürlich Deine schönen Sachen wirklich gut!! 😀

    Viele liebe Grüße,
    Katja

    Antworten
    • 22. Oktober 2013 um 13:38
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      Hallo Katja,
      ganz lieben Dank für Deinen Kommentar und Dein Lob. Das freut mich natürlich sehr 😉
      LG
      Petra

      Antworten

Dankeeee, dass Du Dir die Zeit nimmst, einen Kommentar für mich zu hinterlassen. Ich freu' mich!!